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heute ist der 17.12.2018  letzte Änderung am 12.12.2018 

Aktuelles

Hans Knothe verstorben

Prof Dr. Hans Knothe, geboren am 10. April 1919 in Krottorf, ist am 16. November 2015 in Langen verstorben. Wir nehmen Abschied von einem hoch gebildeten engagierten Hochschullehrer und Menschen, einem klinischen Mikrobiologen mit einem erstaunlichen Hintergrundwissen, der gerne im Labor selbst Befunde ermittelte und mit all seinen Sinnen bewertete. Wir trauern um einen Hochschullehrer und Wissenschaftler, der sein Fach nach innen und außen mit mit großem Engagement vertrat.

Hans Knothe hatte 1939 das Studium der Medizin in Greifswald  aufgenommen und hier 1941 mit der  ärztl. Vorprüfung abgeschlossen. Ab 1941 studierte er in Kiel. Sein Studium konnte er trotz seiner Einberufung  zum Kriegsdienst 1938 – 1945, 1944 mit dem Medizinischen Staatsexamen abschließen.

1945 – 1947 war er Volontärassistent für Hygiene und Bakteriologie der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er 1947 – 1955 wissenschaftl. Assistent für Hygiene und Bakteriologie war. 1951 promovierte er mit der Dissertation: „Über Komplikationen bei der Lumbalanaesthesie an der Kieler Chirurgischen Universitätsklinik 1925-1942“ an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Habilitation schloss er in konsequenter Weise im Fachgebiet Hygiene und Bakteriologie mit dem Titel: „Die Züchtung von anaeroben Bakterien im bebrüteten Hühnerei“ ab.

In den folgenden Jahren war er als  Privatdozent, danach als apl Professor und schließlich als wissenschaftlicher Rat und Professor  für Hygiene und Bakteriologie der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, tätig. In dieser Zeit hatte er schon zahlreiche Doktoranden, nicht nur aus der Medizinischen, sondern auch aus der Naturwissenschaftlichen Fakultät.
1966 erfolgte der Ruf auf eine o.Professur in Aachen. Er folgte aber im selben Jahr dem Ruf auf die o. Professor für Hygiene und Bakteriologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität zu Frankfurt am Main.

In Frankfurt setzte er seine in Kiel begonnene wissenschaftliche Arbeit fort. Ein wichtiges Gebiet waren die Mikrobiozönosen des Menschen, vorrangig die Darmflora, ihre Zusammensetzung, ihre Veränderungen und ihre Regenerationsfähigkeit insbesondere nach den Einflüssen durch Antibiotika. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern versuchte er mit Erfolg die Darmflora in vitro zu simulieren. Antibiotika standen vielfältig im Vordergrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Die Pharmakokinetik studierte er nicht nur an Versuchstieren sondern auch an freiwilligen Probanden, die er vorzugsweise unter Studenten, Mitarbeitern und Doktoranden fand. Neben den Erfahrungen über die fortschreitende Resistenzentwicklung aus den täglichen Befunden im Routinelabor, hat er dieses Thema mit wissenschaftlicher Kleinarbeit vertieft. Hierzu zählten auch genetische und biochemische Untersuchungen zur Entstehung und Verbreitung der Resistenz sowie deren Mechanismen. So hat er1983 zusammen mit V. Kremery und P. Shah den ersten Bakterienstamm mit ESBL ß-Laktamase beschrieben. In diesen Zusammenhang sind seine Untersuchungen zum Einfluß von Antibiotika im Tierfutter auf die menschliche Gesundheit und die Übertragung von vancomycinresistenten E. faecium (VRE) vom Schwein auf den Menschen erwähnenswert. Im Rahmen der Infektiologie bildeten Tularämie, Dauerausscheider nach Typhus und deren Sanierung sowie Enteritiden seine Schwerpunkte. Gerade im Zusammenhang mit Enteritis pflegte er eine enge Zusammenarbeit mit der Lufthansa, deren Küchen und deren Nahrungsmittel er lange Jahre hindurch untersuchte.

Hans Knothe hat eine große Zahl von Doktoranden betreut und Ihnen großzügige Unterstützung gewährt. Er scheute sich nicht die jungen Wissenschaftler mit auf Kongresse zu nehmen und dort ihre Ergebnisse selbst präsentieren zu lassen. Für die, die in der Wissenschaft bleiben wollten war das eine unglaubliche Hilfe, denn dadurch lernten sie schnell den Wissenschaftsbetrieb außerhalb des eigenen Institutes kennen. Auch hat er Doktoranden und junge Wissenschaftler zu befreundeten Forschern geschickt, um dort neue Methoden zu erlernen.

Hochschulpolitik hat Hans Knothe schon als apl Professor in Kiel betrieben. In Frankfurt wurde er Ende der 60er Anfang der 70er Jahre Prodekan und Dekan. Wer diese Jahre an Universitäten miterlebt hat, weiß was das bedeutet. Nicht nur erheblichen Zeit und Nerven-Aufwand. Hier kam ihm sein Verhandlungsgeschick sehr entgegen. Er konnte zwischen unterschiedlichen Parteien vermitteln und Menschen zueinander führen. Diese Vermittlerrolle konnte Hans Knothe auch im Zuge der Gründung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft unter Beweis stellen. Zitat aus einem Vortrag von Prof. Spitzy zum Thema: “Wie kam es zur Gründung der Paul Ehrlich Gesellschaft, Hintergründiges aus Wien“: „Die stark differierenden Persönlichkeitsstrukturen der Teilnehmer, wie des gestrengen Peter Naumann, des eigenwilligen Linzenmeier, des ein wenig hektischen Marget, des stets vermittelnden Knothe und des jeden tierischen Ernst vermissenden Wieners, konnten ganz einfach keine gemeinsame Linie finden.“  Am 1.Mai 1967 wurde Hans Knothe auf Grund seiner Vermittlungsbemühungen mit 21 Stimmen, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zum ersten 1. Vorsitzenden der neu gegründeten Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie gewählt. Für diese Gesellschaft hat er sich, auch nach seiner Amtszeit im Jahr 1969 als 1. Vorsitzender,  ständig aktiv eingesetzt. Er gehörte mehrere Jahre dem Beirat der PEG an. Im Jahr 1993 wurde er wegen seiner Verdienste um die Gesellschaft zum Ehrenmitglied gewählt.

Hans Knothe war neben dem Hochschullehrer und Wissenschaftler ein vielseitig interessierter und gebildeter Mensch. Kunst und Geschichte waren ihm vertraut und wichtig. Auch war er ein sehr geselliger und unterhaltsamer Gastgeber. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Universitätsprofessors konnte er seine Lieblingsbeschäftigung, die klinische Mikrobiologie in der  Laborarztpraxis  Drs.Walther, Weindl und Kollegen 1988 fortsetzen.

Wir verlieren mit Hans Knothe einen begnadeten Mikrobiologen einen Hochschullehrer und Forscher, der viel bewegt hat und als Vorbild diente. Wir trauern um einen lebenswerten Menschen.

Bernd Wiedemann und Volker Schäfer für die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V.

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