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Aktuelles

Neuer Krankheitserreger bei Immungeschwächten entdeckt

Bethesda - US-Mediziner haben in den Lymphknoten eines Patienten mit schwerer angeborener Immunschwäche ein bisher unbekanntes Bakterium aufgespürt. Nach seinem Entdeckungsort wurde es Granulobacter bethesdensis genannt. Wie die Forscher in PLoS Pathogens (2006; 2: e28) mitteilen, gehört der Erreger zur Familie der Acetobacteraceae, die Äthanol zu Essig vergären.

Acetobacteraceae sind ubiquitär. Sie sind im Nektar von Blüten und in verdorbenem Obst ebenso enthalten wie in Apfelwein oder nicht-pasteurisiertem Bier. Auch die Essig-Industrie basiert auf der Stoffwechseltätigkeit der gram-negativen stäbchenförmigen Bakterien. Für den Menschen galten sie als harmlos – und für die meisten dürfte dies auch in Zukunft gelten. Eine Ausnahme bilden Menschen mit chronischer „septischer“ Granulomatose (CGD). Diese werden mit einem Gendefekt geboren, welcher den Phagozyten die Fähigkeit zur Synthese des Enzyms NADPH-Oxidase nimmt. Dieses Enzym produziert beim Gesunden toxische Sauerstoffverbindungen, mit deren Hilfe Phagozyten Bakterien und Pilze abtöten. Ein Mangel an NADPH-Oxidase führt zu einer schweren Abwehrschwäche, die bereits in der frühen Kindheit zu schweren Infektionen führt.
In der Vergangenheit starben Menschen mit CGD in der frühen Kindheit. Heute erreichen sie dank einer antibiotischen Therapie oft das Erwachsenenalter. Im Juli 2003 wurde ein 39-jähriger CGD-Patient an eine Klinik der US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) überwiesen, weil er seit drei Monaten an einem Fieber ungeklärter Ursache litt und bereits 10 kg an Gewicht verloren hatte. Die Ärzte vermuteten eine bakterielle Infektion, doch zwei Versuche mit Antibiotika blieben erfolglos. Zwei Monate später entwickelte er eine schmerzhafte Lymphadenopathie, die sich unter Antibiotikagabe nicht besserte, sodass sich die Gruppe um David Greenberg vom National Institute of Health (NIH) in Bethesda zu einer Biopsie entschlossen. Die Sequenz-Analyse führte dann zur Entdeckung von Granulobacter bethesdensis.

Der Nachweis allein beweist noch nicht, dass das Bakterium für die Lymphadenopathie verantwortlich war. Deswegen schlossen sich tierexperimentelle Studien an. Während immungesunde Mäuse niemals erkrankten, kam es nach Inokulation von Mäusen mit einem CGD-Defekt zu einer Lymphadenopathie. Aus der Milz der Tiere konnten die Wissenschaftler die Bakterien isolieren. Auch immunkompentente Tiere waren infiziert. Bei ihnen scheinen die Abwehrzellen aber in der Lage zu sein, die Erreger in Schach zu halten, während es bei Immungeschwächten zu einer Vermehrung kommt. Durch Gensequenzierung wurde bestätigt, dass die nachgewiesenen Erreger die gleichen waren wie bei dem erkrankten Patienten. Seit der Abgabe des Manuskripts haben die Forscher das Bakterium bei zwei weiteren CGD-Patienten entdeckt.

Bislang gelingt es bei CGD-Patienten nur in der Hälfte der Fälle, die für die Granulomatose verantwortlichen Erreger zu finden. Wie groß der Anteil von Granulobacter bethesdensis an den übrigen ist, soll im nächsten Schritt untersucht werden. Erste Untersuchungen ergaben, dass 3 von 19 CGD-Patienten Antikörper gegen Granulobacter bethesdensis im Blut haben. Der Test war auch bei einem von 20 gesunden Probanden positiv, was allerdings nicht viel besagen will. Ein Antikörpertest zeigt nämlich nur an, dass das Immunsystem Kontakt mit dem Erreger hatte. Er lässt aber offen, wie die Auseinandersetzung ausging. Bei dem gesunden Probanden waren die Essigbakterien offenbar die Verlierer.

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