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Aktuelles

Asthma: Antibiotika verbessern Lungenfunktion

London - Bakterielle Infektionen können bei erwachsenen Asthmatikern eine Exazerbation der Erkrankung auslösen. In einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 354:1589-1600) besserte sich die Lungenfunktion unter einer Therapie mit dem Antibiotikum Telithromycin. Ein Editorialist rät trotzdem (vorerst) von einer Übernahme der Therapie ab.

Das Asthma bronchiale ist keine Infektionserkrankung, und für Antibiotika besteht keine Indikation. Dennoch dürften einige Ärzte einem Patienten mit einer schweren Exazerbation ein Antibiotikum verschreiben, wenn etwa ein purulentes Sputum darauf hinweist, dass eine bakterielle Begleitinfektion vorliegt. Alle bisherigen Studien zu dieser Frage hatten jedoch ergeben, dass die antibiotische Behandlung den Verlauf der Asthma-Attacke nicht beeinflusst.

Ein Grund könnte sein, dass die falschen Antibiotika verordnet wurden.Viele bakterielle Infektionen bei Asthma-Attacken werden von Chlamydophila pneumoniae oder Mycoplasma pneumoniae verursacht, gegen die viele Antibiotika nicht wirken. Eine Ausnahme bildet hier Telithromycin, das in Deutschland als erster Vertreter der Substanzgruppe der Ketolide (ein synthetische Makrolidantibiotika) eingeführt wurde. Telithromycin wurde deshalb in einer internationalen randomisierten kontrollierten Studie eingesetzt, die unter der Leitung von Sebastian Johnston vom Imperial College London,  278 Erwachse mit Asthma einschloss. Um teilnehmen zu können, mussten sie sich innerhalb von 24 Stunden in einer Klinik vorgestellt haben. Sie wurden dann über 10 Tage mit 800 mg/die Telithromycin oder Placebo behandelt.

Die Antibiotikatherapie führte zu einer signifikanten Verbesserung in einem der beiden primären Endpunkte: Die Beschwerden der Patienten besserten sich in einem Symptomscore um 40 Prozent. Die Tage, an denen die Patienten beschwerdefrei waren (ein sekundärer Endpunkt) verdoppelten sich. In dem zweiten primären Endpunkt wurde keine signifikante Verbesserung erzielt: Der Peak-Flow, den die Patienten am Morgen selbst bestimmten, nahm unter der Antibiotikabehandlung nur unwesentlich zu.

Die Studie lässt auch offen, worauf die Symptombesserung beruhte. Bei 61 Prozent der Patienten wurde eine Infektion mit Chlamydophila pneumoniae oder Mycoplasma pneumoniae oder beiden Erregern nachgewiesen. Die Wirkung von Telithromycin war in dieser Gruppe jedoch nicht besser als bei den Patienten ohne bakterielle Besiedlung. Dies verleitet die Autoren zu Spekulationen, das Antibiotikum habe vielleicht „immunmodulatorische“ Eigenschaften. Eine andere als antibiotische Wirkung ist nach Ansicht des Editorialist Frédéric Little von der Universität Boston nicht völlig von der Hand zu weisen (NEJM 2006; 354: 1632-1634).

Dennoch rät Little vom Einsatz von Telithromycin (vorerst) ab. Zwar sei die Verträglichkeit von Telithromycin in der Studie mit einer Ausnahme der erhöhten Rate der Nausea gut gewesen. Die Studie war aber zu klein, um die Frage der Sicherheit endgültig zu klären. Schwere Komplikationen scheinen nicht ausgeschlossen, seit vor kurzem mehrere Fälle von schweren Leberschädigungen unter der Therapie mit Telithromycin bekannt geworden sind. Sie waren Anlass für Warnhinweise der Arzneimittelbehörden in Europa (EMEA) und den USA (FDA). /rme

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Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 13. April 2006

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